Alice Weidel
32 Min
Lang ist es her, seit Spiegel-Gründer Rudolf Augstein sein Magazin als Sturmgeschütz der Demokratie anpries. Heute kämpft das Blatt mit einem Fälschungsskandal erster Güte. Der langjährige Reporter Claas Relotius soll bis zu 55 Geschichten frei erfunden haben, wurde dafür mit Preisen und Auszeichnungen geradezu überhäuft.
Dass hier etwas nicht stimmen konnte, kam der “Qualitätssicherung” des Spiegels erst viel zu spät in den Sinn. In Zeiten von Fakenews und generellem Misstrauen vieler Bürger der Presse gegenüber, schlägt dieser Skandal wie eine Bombe im Hamburger Verlagshaus ein. Relotius war mitunter auf rührselige Moralgeschichten abonniert. Aus seiner Feder floss zum Beispiel der Beitrag, wo ein Syrer angeblich 1000 Euro auf der Straße fand und dann als ehrlicher Finder in Szene gesetzt wurde. Das alles auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise.
Was vom einstigen “Sturmgeschütz der Demokratie” in Zeiten von gesinnungsethisch gefärbtem Meinungsjournalismus übrig geblieben ist, hat mit seriösem Journalismus vielfach nichts mehr zu tun. Relotius ist letztlich nur das Produkt einer bis zum Absurden ideologisierten linken Schreiberzunft, die immer seltener bereit ist, die eigene komfortable, moralische Wohlfühlzone zugunsten der Faktenlage zu verlassen.

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